Diese Woche möchte ich Euch einen meiner Lieblings-Anti-Werte vorstellen: Die Gier!

Gier ist verwandt mit den Begriffen Habgier, Be-gier-de und Neu-gier-de und wird im selben Zusammenhang wie der Geiz als einer der 7 Todsünden angesehen. Geiz ist im Prinzip die Unfähigkeit des Abgebens und die extreme Sparsamkeit, während ist die Gier etwas ganz spezielles ist. Nie genug bekommen, immer mehr, immer mehr. Heute so, morgen Nachschlag. Zusammenraffen was nur irgendwie geht, alles ausquetschen wollen, was noch irgendwie Saft gibt. Es ist fürchterlich.

Gierige Menschen haben zumeist auch noch die unangenehme Eigenschaft, sehr egoistisch zu sein. Diese Kombination aus Egoismus und purer Gier macht aus einem netten Menschen in gewissen Situationen ein Tier mit Krallen, sobald es seine Chance wittert. Hin und wieder komme ich mit gierigen Menschen in Kontakt und muss immer wieder feststellen, dass eine gewisse Portion Gier in manchen Jobs sehr gesund ist, im richtigen Ausleben oft dann aber unangenehm, unsympathisch und unhöflich macht.

Gier ist ein Wert, der den Charakterzug eines Menschen sehr beeinflusst. Gier kann ein Wert sein, der andere, sonst auch gelebte Werte wie Freundschaft, Loyalität, und Vertrauen übertrumpft und für gewisse Zeiten zunichte macht. Kann Gier vielleicht so auch irgendwann einsam machen?

Ich frage mich regelmäßig, ob diese Charakterzüge auf Dauer gut für uns Menschen sind. Es gibt einen netten Film, von Dieter Wedel aus dem Jahr 2010, mit dem Titel „Gier“, der einen Hochstapler, der kein Ende finden kann – weil er immer gieriger wird, als Hauptfigur hat. In diesem schönen Beispiel fällt derjenige mit der Gier tiefer, als er hochgeflogen ist.

Was haben also raff-gierige Menschen davon, gierig zu sein? Ich persönlich glaube, dass gierige Menschen nicht langfristig denken können oder wollen. Der kurzfristige Erfolg, das schnelle Geld, die kurze Befriedigung, die schönsten, besten und tollsten materiellen Werte zusammenraffen – langfristig gesehen macht dies kaum glücklich, oder? Wenn man durch seine Charakterzüge sein Umfeld schädigt, hapert es wieder beim Lebenswert „Beziehung“, wenn hingegen im Wert „Berufung“ durch die Gier ein zu hoher Stellenwert eingeräumt wird. Aber wie so immer im Lebens – muss ja jeder selber wissen!

Neu-gier-de ist auch etwas besonderes. Eine gewisse Neugierde, also aufgeschlossen sein für neue Erfahrungen, neues zu entdecken und zu lernen, sollte man sich zur Persönlichkeitsentwicklung bewahren – alles wissen zu wollen, was Hinz und Kunz so treibt, verändert unser Umfeld ebenfalls sehr stark – irgendwann wird man gemieden, man bekommt nichts wirklich wichtiges mehr mit. Vielleicht verhält es sich mit der Gier genauso…..