Selbstwert ist ja schon ein großes Wort. Was sind wir uns selbst wert? Kann man die Antwort mit einer Zahl, mit einer Summe beziffern?

Falls dem so ist, bin ich von den meisten enttäuscht, wie klein diese Summe ist. Bitte nicht falsch verstehen, aus meiner Praxis in der Versicherungsberatung weiß ich, dass die meisten Menschen bereit sind, 1.000 € für eine Kfz-Versicherung zu bezahlen, aber keine 200 € für eine echte, gute Unfallversicherung. Dabei sind die Ersatzteile für den Körper wesentlich teurer als die für das Auto. Wenn man dazu beobachtet, wie viele Menschen Raubbau mit Ihrem Körper treiben, kann dieser Wert für einen selbst nicht sehr hoch sein. Ein Freund von mir sagt dazu immer: Man pinkelt sich selbst in den Tank – Achtet darauf, mit welchem Treibstoff euer Fleischmopped betankt wird! (Auch in seinem Beispiel ist der Kraftstoff für das Mopped oft teurer als das für das Fleischmopped). Und ja, im Ruhrgebiet und im Bergischen Land, wo mein Freund herkommt, wird Mopped mit zwei P geschrieben ;o)

Misst sich der Wert für sich selbst also anders? Kann man von Selbstwert sprechen, wenn man sich ungesund ernährt, sich für nichts interessiert, nur dumm konsumiert, keine sozialen Kontakte pflegen will, das Leben so an sich vorbei ziehen sieht? Genügend Beispiele im TV und auch in der Realität gibt es zu Hauf!

Selbst-Wert ist der Wert, den wir uns selbst bemessen. Der Wert ist nicht materiell messbar und eine exakte Messung ist auch gar nicht möglich, weil die Entwicklung oder die Wertsteigerung nie abgeschlossen ist. Ähnlich wie die Persönlichkeitsentwicklung ist die Entwicklung des Selbstwertes nie vorbei.

In meiner Schulzeit war ich ein fauler Knochen, hatte meistens durchschnittlich/schlechte Noten und kriegte sofort einen roten Kopf, wenn mich ein Lehrer ansprach und ich die Antwort nicht wusste. Damals sagte mein Lateinlehrer (und dieses Fach konnte ich ü-ber-haupt-nicht! Aber so wirklich nicht): Wer stets schlechte Noten hat und nicht genügend lernt und übt, der kann sich nicht richtig selbst lieben.

War es das, dass ich mich also nicht lieben konnte? Ich mochte mich aber schon selbst…..Heute weiß ich, was er meinte. Wenn man sich liebt, kann es doch nicht sein, dass man sich absichtlich quält, indem man nicht lernt und sich dem Stress aussetzt, Schweißperlen auf der Stirn zu haben, wenn die Hausaufgaben nicht vollständig sind oder man von vorneherein weiß, dass die Klausur in die Hose gehen muss, da man kein Plan von nichts hat. Auch eine Form von Raubbau.

Heute heißt es, mach mal etwas langsamer, entspann dich mal ein bischen, mach nicht soviel, sag auch mal Nein, du hast schon genug um die Ohren usw. Aber wissen Sie was? Es geht mir gut dabei, denn meine Aufgaben die ich zur Zeit habe, habe ich mir selbst ausgesucht und treibe Projekte voran, weil sie mir Spaß machen. So steigt auch automatisch der Selbst-Wert. In der Schule war der recht klein, aber heute meine ich behaupten zu können, dass mein Selbstwert mit den Herausforderungen und Aufgaben des Lebens und entsprechender Verantwortung ordentlich zugelegt hat. Man wächst mit seinen Aufgaben, und mit einem, wächst auch der Selbst-Wert!